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Massenrennen

Rasend glücklich - Amateure im Wettstreit

Rennen für jeden erfreuen sich regen Zuspruchs.

Der Weiße Ring – das Rennen. Der Weiße Rausch. Schlag das Ass! Das sind die Klassiker an Rennen, bei denen jede und jeder einmal ungestraft die Pistensau rauslassen darf.

So fern die oft sehr kurzen Anmeldezeiten das erlauben. Doch es gibt noch mehr Varianten, um sich auf oder auch abseits der Pisten zu messen. Manches, wie die „Sekundenjagd“ am Krippenstein oder das Diabolorace im Montafon sind (oder scheinen) Geschichte.

Dafür entsteht Neues, vor allem am Ausdauersektor. Die „Mountain-Attack“ (6 Gipfel, 3.008 Höhenmeter, 40 km Streckenlänge) ist ein Extrembeispiel aus Saalbach- Hinterglemm. Ausdauer ist natürlich bei den zahlreichen Volkslangläufen, deren berühmtester der Tiroler Koasalauf ist, besonders gefragt. In Hochfilzen wiederum kann man sich am Volksbiathlon versuchen. Andererseits gibt es für romantisch-verspielte Menschen die Chance, sich im „NostalSkilauf“ zu üben. Traditionell in Wagrain oder in Zell am See, wo der Fernlauf vom Gipfel, allerdings nicht alljährlich ausgetragen wird.
Warum dies 2015 doch wieder der Fall sein wird, hat einen traurigen Anlass: Im Vorjahr starb der Zeller Bürgermeister und NostalSkifan Hermann Kaufmann, in Memoriam wird dieses Jahr ein Fernlauf ins Tal durchgeführt.

Der Nebn-a-nont-Slalom startet am Faschingssamstag ebenfalls bei der Elisabeth-Kapelle. In gleich veranlagter Gesellschaft können alle Möglichkeiten auf der Piste genutzt werden um die „Sau raus zu lassen“. Schließlich kennt die schneidige Selbstverwirklichung auf ein bis zwei Brettern weder Tempo- noch Promi- oder Alterslimit.

Am Arlberg wird mit dem Weißen Ring alljährlich im Jänner das längste Skirennen der Welt zelebriert. Doch neben dem längsten gibt es seit einigen Jahren das allerlängste. Armin Assinger, Ex-Abfahrtsstar und Millionenshow-Moderator, hat die Idee auf sein heimatliches Nassfeld als „Schlag das Ass!“ transferiert. In der Grundidee und Struktur gleicht die Südvariante dem Lecher Vorbild „Weißer Ring“. Doch die Abschnitte variieren spürbarer, obwohl sich die vergleichsweise locker in einem Zug zu bewältigenden Hänge zwischen den Liftfahrten im Gefälle ähneln.
Was den Hauptunterschied zu Lech ausmacht ist die endlose Talabfahrt nach Tröpolach. Spaß macht das allen, die richtig vorbereitet ins Rennen gehen.
Erst unmittelbar vor dem Ziel wird’s wieder anspruchsvoller, wobei hier ein überholender Kamikaze-Pilot ganz schön das Fürchten lehren kann.

In Lech erfolgt der Start zu „Der Weiße Ring – das Rennen“ am Rüfikopf. Der Lautsprecher scheppert, Publikum applaudiert, die Startuhr gibt den vom Weltcup gewohnten Sekundentakt vor. Skifahrer und Snowboarder, Männer und Frauen, (nahezu) allen ist jene von Lockerheit übertünchte Nervosität gemein, die sie schon bei den Treffs am Abend zuvor prägte. Nein, wer erst einmal für ein derartiges Skirennen einen Startplatz ergattert hat, entkommt ihm nicht: Dem Ehrgeiz, schnell zu sein.

Für den Ski Guide Austria-Verfasser wars der vierte Start zum Weißen Ring. Und die Ziele aus den Erfahrungen der Vorjahre klar umrissen: Sturzfrei und in der vorderen Hälfte das Ziel erreichen. Was treibt aber gar nicht so ehemalige Sportstars dazu, sich mit Fullspeed in die sichere Niederlage zu begeben? „Einmal wieder voll das Adrenalin spüren“, verrät Ex-Teamtorhüter Jens Lehmann. Abgelassen wird alle 100 Sekunden ein 20er-Paket.

Wo bekannt, werden die schnellsten in die ersten Gruppen gereiht, um nicht zu viele Überholmanöver zu provozieren. Beim Start türmt sich ein Hügel auf, der sich mit dem letzten Piepton zum Berg mausert. Der Anstieg dient dazu, das Getümmel in der Abfahrt zu reduzieren. Das Sauerstoffdefizit lässt sich auch auf den flachen ersten hundert Abfahrtmetern nicht vertreiben. Der Atem bleibt hechelnd, bis mittleres Gefälle mit drei Super-G-Toren beschleunigend wirkt.

Der Spaß an der Freud’ gewinnt die Oberhand. Das ist der Abschnitt, an dem ich am Vortag über 100 km/h drauf gehabt hatte. Eine der wichtigsten Lehren dieser Besichtigungen war: „Tiefe Hocke bringt ein paar Sekunden, kostet dich aber zum Schluss Minuten“.

Die Auffahrten sorgen für Erholungspausen. In diesen Momenten hängt mich nicht mal Hausherr und Olympiasieger Patrick Ortlieb ab. Obwohl es selbst beim Entern der Lifte Spezialisten gibt. Beim Ansteuern der Brücke über die Bundesstraße in Zürs ist wieder volle Konzentration gefragt. Der Weg ist schmal, 2011 überstand eine Rennläuferin die Bekanntschaft mit dem Felsen nur mit lebensgefährlichen Verletzungen. Da geht man’s lieber ruhiger an, schnauft am Seekopf-Sessellift trotzdem durch.

Oben wartet das berühmte Madloch, der technisch anspruchsvollste Abschnitt der Runde. Die Bretteln heben ab und dann Hocke, Hocke bis der steilste Abschnitt folgt. Zum Glück sind die Verhältnisse besser als bei der Besichtigung am Vortag, ein kurzer Anflug von Übermut lässt mich einen Läufer innen überholen.

Das Madloch in Topzustand ist der absolute Skifahrertraum. Auf der Balmalp steht der Hüttenwirt mit Schnapserln zur Stärkung bereit. „Danke, mir ist schon schlecht“. Danach kommt vielleicht der schönste Part der Strecke: Schnelle Schwünge, kurze Schrägfahrten, schließlich hinunter nach Oberlech. Hier wird die absolute Höchstgeschwindigkeit erreicht. „Wir haben hier Spitzen von über 130 Stundenkilometern gemessen“, berichtet ein Mitglied des Siegerteams im Ziel. Dort werden alle von Weltcupatmosphäre empfangen.

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