Schriftgröße: A A A Drucken Mobile Version





Verkaufspreis:
€ 14,90

Online-Shop

Online blättern

Ski Guide TV

Skilehrer sind keine Gauditypen

Skilehrer sind keine Gauditypen

Mehr als nur Partytiger. Ski Guide-Autor am Weg zum Skilehrer

Das Image der Skilehrer

Das Image der Skilehrer ist dank hirnrissiger Heimatfilme, Lifestylemagazine und TV-Serien auf die Rolle als Schneehaserljäger eingeeist. Zu unrecht.

Rund 120 angespannte Menschen lauschen im Lehrsaal des funkelnagelneuen Tiroler Ausbildungszentrums für Wintersportlehrer in der Axamer Lizum den Grundweisheiten des österreichischen Skilehrwesens, um dieses künftig selbst weiter zu vermitteln. Die Geschlechterverteilung hält sich etwa die Waage, der Altersschnitt ist niedrig. Sehr niedrig.Denn noch nie drängten so viele Teenager in die Ausbildung.

Der Ostertermin kommt ihnen gelegen. „Vergesst nie, dass es sich um eine Berufsausbildung handelt“, warnt Kursleiter Markus Löffler mehrfach vor falschen Erwartungen, die Zeit könne als Skikurs für Erwachsene abgehandelt werden. Als Camilla am ersten Kurstag beim qualvollen Erarbeiten der allerersten Anfängerübungen von Skilehrer Armin genervt zurechtgewiesen wurde, schossen der 17-Jährigen Tränen in die Augen.

Das brachte wiederum den sonst als Physiotherapeut und ÖSV-Betreuer aktiven Ausbilder kurz aus der Fassung. Diese Szene blieb eine Episode, denn dem Mädchen war ihre Sportlichkeit als Trampolinturnerin zwar nicht auf den Leib geschrieben, doch sie war aktiv, lernfreudig und bei den abschließenden Prüfungen gemeinsam mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder, der stets wörtlich die Theorie parat hatte, eine der Besten. Beide zählten gewiss nicht in die Kategorie, die Löffler so zusammenfasst: „Wenn wir eine Schwimmlehrerausbildung hätten, dann wäre ein Drittel ersoffen“. Das ist nicht nur so dahingesagt.

So erzählte ein Ausbildungsleiter beim Salzburger Skilehrerverband: Man sei am ersten Tag auf 3.000 Meter am Kitzsteinhorn angekommen. „Schnallt’s an, schau ma mal, was könnt’s“, habe sein Kommando gelautet. Fragend sahen ihn zwei Herren aus Europas Osten an. Wie denn „anschnallen“ so funktioniere? Immer wieder finden sich blutige Anfänger bei der Ausbildung ein. Sie betrachten Schneesportlehrer als mehrstufigen Lehrberuf.

Weil, wer Friseur werden will, müsse ja vorher auch niemanden die Haare geschnitten haben. Rein gesetzlich gibt es dabei nicht einmal die Möglichkeit, Novizen wieder heimzuschicken. Außer man argumentiert mit der nicht zu gewährleistenden Sicherheit. Nach der ersten Kontaktnahme mit Armin, den Gruppenmitgliedern und dem Schnee stehen die Gruppen aufgefädelt bei der Gipfelstation des Hoadl. Uns zu Füßen noch ansprechend verschneite Pisten.

Gruppe neben Gruppe, wie es sich gehört. „Jösas, heut sind lauter Anfänger unterwegs“, ist einer Wiener Skiurlauberin der Schreck ins Antlitz geschrieben. Es ist ihr nicht zu verdenken, denn unsere ersten Übungsfahrten unterscheiden sich nur marginal von den Versuchen ungeübter Skifahrer. Wer gewohnt ist, dass es auf der Piste einfach von selbst läuft, steht an. Die Arme nach vor und in die Knie. Aber Druck auf die Laschen der Skischuhe. Und noch weiter in die Knie, noch weiter nach vor, bis sich das Gefühl einstellt, als personifizierter Haltungsschaden über die Piste zu taumeln.

Die Kunst ist, den Lernenden die korrekte Position deutlich sichtbar zu machen. In Österreich sind in 530 Skischulen 15.000 Schneesportlehrer aktiv. Allein in Tirol sind es 295 Skischulen mit 7.000 ausgebildeten Lehrern. Der Weg in höchste Höhen ist durchaus aufwändig. Sowohl an Zeit, als auch an Geld. Die erste Stufe ist der Anwärter auf den Landesschneesportlehrer und kostet in Tirol 626 Euro für zehn Tage. Plus Unterkunft und Liftpass.

Als nächste Stufe folgt der Landesskilehrer, der zum Beispiel in der Axamer Lizum alles Inklusive über 2.000 Euro kostet. All das ist erst die Basis, um den Titel Staatlicher Skilehrer anzugehen. Das bedeutet weitere 54 Tage Ausbildung, die nicht unter 6.200 Euro abgehen. Markus Löffler hatte als Sohn des Skischulbesitzers von Weerberg diesen Weg mit 20 Jahren bereits hinter sich gehabt. Seither erfreut er sich des „geilsten Jobs der Welt“. Bei dem ihm als Mitglied des österreichischen Interski-Demonstrationsteams, Ausbildungs- und Skischulleiter, und Mitorganisator der Freeride-Serie „Open Faces“ nie fad wird.

Wobei das mit dem „geilsten“ Job, dem er noch die Formulierung des Skischulbesitzers als „geilstes Unternehmertum“ folgen lässt, gefährlich ist. Zu oft wird der Skilehrer auf „geil“ in anderem Sinne reduziert.

Share |