Schriftgröße: A A A Drucken Mobile Version





Verkaufspreis:
€ 14,90

Online-Shop

Online blättern

Ski Guide TV

Freeride
Varianten
Tiefschnee

Touren, Freeride und Variantenfahren.

Unterwegs im freien Gelände.

Paznaun

Alpenibiza, diese Bezeichnung verfolgt Ischgl als Kombination von Lifestyle und Après-Besäufnis seit Jahren. Und gewiss nicht zufällig. Aber Ischglund seine Paznauner Nachbarn Galtür und Kappl haben eine Qualität, die einst die Basis für den touristischen Höhenflug legte: Hochalpine Gipfel,an deren Hängen sich weiße Teppiche ausbreiten. Mehr und mehr wird der mit Samnaun (CH) grenzüberschreitende Pistenzauber durch eine weitereFacette ergänzt: Freeride. Für den Ski Guide Austria der perfekte Anlass, sich drei Tage der Faszination Tiefschnee anzunähern. Bei der ersten Auffahrtgab’s noch kurzes Erstaunen, denn sehr tief ist der Schnee rund um die Idalpe zum Zeitpunkt des Besuchs nicht. Viel hat der Wind verblasen. Dochdank der Guides Hannes und Stefan folgt dem kurzen Schreck die wahre Verblüffung: Unverspurte Hänge, welche den breiten K2-Geräten den perfektUntergrund für raumgreifende Powderorgien bieten. Doch am Beginn stand der Härtetest: Ravaischa Salaas. Eine schmale Rinne auf der Samnauner Seite, die bis nach dem gefrorenen Wasserfall rechterHand nur durch Seitabrutschen zu bewältigen ist. Doch danach öffneten sich weitere breite Hänge, die den zuvor Ängstlichen vorenthalten bleiben.Bis hinunter nach Samnaun, von wo es mit der Doppelstockgondel wieder retour geht.

Salaaser blieb nicht das einzige sensationelle Erlebnis, immer wieder gab es mittelsteile Hänge zu entdecken, nur wenige Fußminuten von der Piste entfernt. Ob es die Höllkar-Seite war oder „klammheimlich“ die von Einheimischen Klamm genannte Abfahrt unterhalb der Greitspitze. Genial ist nicht zuletzt das schier endlose Gelände, das seit dem Vorjahr durch die aufwändige Piz Val Gronda-Seilbahn erschlossen ist. Hier kann mansogar ohne Guide relativ gefahrlos die Neder-Seite befahren. Selbst Tage nach dem letzten Schneefall ist hier unzerstörtes Weiß zu finden. „Im Vorjahrwaren noch weniger Spuren drinnen, aber die Freerider entdecken das Terrain allmählich“, klingt nur ein Hauch von Bedauern bei Guide Stefan durch.An sich bietet Piz Val Gronda auch ohne Guide relativ gefahrlose Freeride-Möglichkeiten. Doch „gefahrlos“ ist nichts wie der zweite Tourentag inIschgl zeigte. Das Wetter ist weiterhin strahlend, aber anders als an den Vortagen erwärmt es sich rasch. So ähnelt bei Anstieg das Feeling einemKaribikaufenthalt und die Lawinensituation wird schwieriger. Deshalb steht nicht die ganz große Tour, die mit nur 400 Höhenmetern Aufstieg biszu 2.000 Meter Abfahrt nach See ermöglicht am Programm. Die heutige Tour führt mit der Grivaleabahn zum Startpunkt. Die Tour beginnt nacheiner kurzen Etappe mit den Fellen rasch mit einer tollen Abfahrt, ein breiter Hang namens „Bei den Kirchen“. Eine zweite Gruppe fuhr von oben gesehenetwas weiter rechts ein. Als wir nach rund 400 Metern Aufstieg am unteren Malfrogkopf stehen, sehen wir, wie deren Spuren von einem breitenSchneebrett begleitet werden. Guide Hannes hatte nach Erstellen eines Schneeprofils bewusst das Brett ausgelöst, dass etwas später einige Rinnenweiter als Fernauslösung ein weiteres kleines Brett abrutscht zeigt deutlich, dass an solchen Tagen mit Lawinen nicht zu Spaßen ist. Während wir amunteren Malfrogkopf stehen, sieht man am oberen Malfrogkopf weitere Tourengeher am Gipfelkreuz. Wir machen uns unterdes ins Zanders auf, erfreuten uns der völlig menschenleeren Natur, deren weißerTeppich durchfeuchtet schon fordern konnte. Die Guides orientierten sich an Hängen mit geringem Gefälle, trotzdem hörten wir noch ein so genanntesWum-Geräusch und rund 20 Meter oberhalb von uns, im etwas steileren Terrain, setzte sich ein Hang kurz in Bewegung, überlegte es sich aufgrund der geringen Neigung aber wieder anders. Die letzten Schwünge zur Fliesser Stieralm entschädigten ein wenig, ehe es dann über einen angenehm zu fahrenden Ziehweg bis genau an die österreichische Grenze nach Spiessermühle ging. Ein kaltes Loch auf 1.500 Metern, mit Duty-Free-Shop und einem Bus, der Tourengeher von hier aus kostenloswieder hinauf zur Seilbahn nach Samnaun und damit ins Ischgler Skigebiet bringt. „Eine sehr beliebte Einsteigertour, stark abfahrtsorientiert.Aber Konditionsstarke können auch mehrere Gipfel dazunehmen“, sagt Stefan.

Freeride ist nicht Ischgl allein. Das geniale Gebiet von Galtür kratzen wir an diesen drei Tagen nicht einmal an, aber uns fehlte noch eine großeExpedition. Von der Idalp fahren wir wieder über die Schweizer Seite zur Vesnitzbahn. Vor uns eine K2-Anmutung im Miniformat. Ich stapfe, die anderen K2 - Pinacle 105 - am Rücken, hinauf. Obwohlnur kurz, ist der steile Aufstieg fordernd. Oben der atemberaubende Rundumblick in die das Paznaun umrankenden Gebirgszüge Silvretta-, Verwall- und Samnaungruppe. Relativ weit entfernt war auchder Sattel zu sehen, über den eine Verbindung mit dem Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis offensichtlich bereits in Planung ist. Die erste Abfahrt des Tages ist dem Vesnitztal gewidmet. Wir können von oben hinausblicken. Rechts liegen Schatten-, links sind die Sonnenhänge. „Ich mache dieseAbfahrt gerne mit Gruppen als Highlight am Ende des Tages,“ verrät Stefan. Dann ist das Vesnitztal schon besser ausgeleuchtet. Wir erfreuen unsaber an den im Schatten teils windgepressten, teils pulvrigen Hängen, die uns in drei Etappen an einen Punkt führen, der klar macht: Ab nun geht eseher sanft talauswärts, über die Sommeralm nach Kappl. Ganz zum Schluss beweist der Guide seine Qualität, wir ziehen wenige Meter am Forstwegnach oben – und gewinnen so zehn butterweiche, nordseitige Schwünge bis zur Bundesstraße. Die Bergbahnen Kappl sind erreicht – und kostenextra. Wobei ab zwei Tagen ein Silvretta-Talpass gebucht werden kann.Mittels einer nicht mehr ganz taufrischen 4er- Gondel und nachfolgendem Sessellift geht es bis hinauf auf den Ablittkopf. Der Blick auf das„Face“ der Quellspitze (2.800 m) zeigt einmal mehr wie schwer die Natur einzuschätzen ist. Erst vor wenigen Tagen waren hier die World Series derFreerider zu Gast. Zur Absicherung wurden an die 30 Sprengladungen gezündet. Vor dem Start kreuzte zusätzlich ein heimischer Skilehrer diemöglichen Lines. Als der zweite Läufer stürzte und zurück stieg, um seinen Ski zu bergen, löste sich trotzdem ein ordentliches Schneebrett, dasihn nach unten riss. Er erlitt nur geringe Verletzungen, doch der Contest wurde sofort abgebrochen. Wir konnten den Anriss trotz der großen Distanzexakt erkennen.

Unser Weg führte uns nur wenige Meter weiter zu einem großen Tobel, der links von der Piste steil hinunterführt. Der Blick richtete sich aufdie sonnigen Hänge, die bereits die „Rückseite“ das Skigebiet des Arlbergs (St. Anton, Rendllifte) markieren. Hier sind für eine zweiteiligeSeilbahnverbindung die Planungen bereits sehr weit gediehen. Wir nützen aber noch die liftfreien Zeiten, um von hier Richtung Pettneu im Stanzertalabzufahren. Das Malfontal ist bei Tourengehern extrem beleibt, egal ob1 man von der Rendlseite oder Kappl einfährt. Angesichts der tagsüber bacherlwarmen Witterung war unser Einstieg über dieSchattenseite ohnehin die einzig mögliche Wahl. Ohne zu übertreiben, aber die ersten, zwischen 30 und – beim Einstieg - 40-Grad steilen Hänge– bescherten uns prachtvolle Powderschwünge, die uns innerlich jubilieren ließen. Oder auch lautstark juchezen. Einige 100 Höhenmeter standenfür diese Glücksgefühle, ehe uns Stefan auf den Boden der Realität zurückholte. „Das schönste ist leider schon vorbei“. Wieder folgten kleinere Abfahrten, ein paar Schwünge, dann wieder lange Ziehwege durch den Wald, ehe schließlich Pettneu erreicht war. Vom Hallenbad ging’s per Taxi die 35 Kilometer zurück nach Ischgl.

Share |