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Freestyle

Boarding: Snowpark und Funpark

Obstacles wachsen in den Himmel.

Parks

GIGANTOMANIE hatte einige Jahre die Entwicklungin Österreichs Snowparks bestimmt. In denvergangenen Jahren stand „höher, schneller, weiterund noch höher“ als Motto im Mittelpunkt. Dochirgendwann ist die Schmerzgrenze erreicht und dasim wahrsten Sinne des Wortes.Das aktuelle Thema ist eindeutig Variantenreichtum:Das heißt, neben den unverändert extremen Kickernund Rails wird immer öfter daran gedacht, Anfängernund noch nicht ganz Abgehobenen eigene Lines zubauen. Alle auf den folgenden Seiten angeführtenParks trennen ihre Klientel nach diesen Kriterien.Aber es geht noch weiter: Spaß sollen nicht nurdie tollkühnen Burschen und Mädchen auf ihrenfliegenden Brettern haben: Deshalb entstehen seitdrei Jahren Funslopes.

DIE „SOFT-VARIANTE“ ward geboren, weil Skilehrerihre Bambinis zu deren Begeisterung gerne durch dieCrossstrecken fahren ließen. Nach den Vorreitern istdie Entwicklung fast lawinenartig. Dieses Jahr meldetenallein Bad Kleinkirchheim, Hochkar, Lackenhof,Hauser Kaibling und Hintertux neue Funslopes. Dochentstanden sind mehr. Die Wellenbahnen werdenmancherorts schon als Selbstverständlichkeit betrachtet. Im Vorjahr waren allein in Westösterreich in fünf Destinationen familiengerechte, mit kleinen Hindernissen und Sprüngen ausgestattete Funslopeserrichtet worden. Konnte man 2015 noch Orte wie Rauris, die Steinplatte im Pillerseetal,Hochsöll in der Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental oderden„Big Family Funslope“ am Eisjoch des StubaierGletschers, den Slopepark in Fendels im Kaunertaloder vergleichbares an der Ahornbahn von Mayrhofenanführen, wird die Aufzählung allmählich unmöglich.Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dassinzwischen so gut wie alle größeren Skizentren für Junge und Junggebliebene über Slopes mit eingebautenBuckeln und Hindernissen verfügen. Natürlichnicht überall so spektakulär wie in Zell am See. DieSchmitten Funslope ist 1.300 m lang und firmiert alslängste der Welt. Neben Steilkurven, Wellen, Sprüngen,Boxen und zwei Schnecken ist die einzigartigeStreckenführung durch den Wald, die an das geliebte„Waldwegerl“ erinnert, ein Highlight der Funslope.Um dem Erlebnis weitere Sinneseindrücke hinzuzufügen,wurde die Funslope durch Sound-Elementewie den Sound Speed Booster oder Sound Slopieserweitert. Mancherorts nennt man eine Varianteschlicht „Wellenbahn“, etwa in Hinterstoder undHochficht, wo sie im Skigebiet verteilt errichtetwerden. Man könnte auch behaupten, würden nicht alle Pisten glatt gehobelt, sondern einige unpräpariert gelassen, bräuchte es diese Neuerfindung garnicht. Aber da geht es wohl um Sicherheit, sprichVersicherungen und Klagen. Immer wichtiger werdenaber auch „richtige“ Crossstrecken. Etwa im Pitztaloder die „Red Viper“ in der SkiWelt Wilder Kaiser, eineSki- & Boardercrossline mit Zeitmessung wurdenneu errichtet. Während im Montafon die Golm-XCross-Strecke Skifahrer und Boarder mit Kickern,Kamelbuckeln, Steilkurven, einem Step-up und einerKickerline anlockt. Dazu gibts im Montafon wiedereinen FIS-Snowboardcross-Weltcup.

DOCH DAS ZENTRUM des jungen Treibens sind undbleiben die Funparks mit ihren Kickern unterschiedlicherHöhe, den Rails und Boxen. Zur Bequemlichkeitwerden auch immer häufiger kleine Lifte an den Pipeserrichtet, etwa in Flachauwinkl oder am StubaierGletscher. Doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen.Daran denkt kaum jemand, sieht er die seit übereinem Jahrzehnt von den Pistenrändern ins Zentrumrückenden Halfpipes und Schanzen, die längst zukompletten Snow- oder Funparks gestylt werden.Kaum eine Region verzichtet heute auf dieses Angebot,um das sich meist eine junge Szene gruppiert.Wie komplex es ist, diese Parks in den Schnee zuzaubern, erzählte dem Ski Guide Austria MartinLiebmann (31), der als Shaper den Glacier Parkam Kitzsteinhorn in Form hält. Sechs fix angestellteShaper hegen die drei Parks, hinzu kommenRaupenfahrer und drei Teilzeitkräfte, darunter einsemiprofessioneller Boarder aus den Niederlanden.Selbst werkt der Einheimische seit fünf Jahren währendder Saison im Rhythmus vier Tage arbeiten,drei Tage frei. Arbeit bedeutet um 7.40 Uhr hinaufzu fahren, frei für ihn, meist den Park selbst zunutzen. „Wegen des Geldes allein macht das keinerhier oben“, grinst er.Gerade am Gletscher ist der Aufbau kompliziert. Dennhelfen bei Halfpipes und Kickern oft fixe Erdbautenmit weniger Schnee auszukommen, läuft es obenandersrum.Der Gletscher fließt, die Hindernisse müssenregelmäßig erneuert werden. Die Kunst der richtigenGestaltung ist vor allem den Absprungwinkelrichtig zu berechnen. Hier helfe alleindie Routine. „Beim ersten Jump trotz vorsichtigemAnlauf mit enormer Air über den Vorbausegeln, um schließlich im Flat zu zerschellen,das hat fast jeder schon mal erlebt“, weiß FreeskierDominik aus schmerzlicher Erfahrung. Dies zu verhindernist die Aufgabe der Shaper. Bei 30 Obstaclesam Kitzsteinhorn eine ordentliche Herausforderung.Denn es gilt im Winter neue Schneefälle einzuberechnen,die Jumps nicht zu erhöhen. Den Eindruck,die Sprünge werden in einem Wettstreit der Parksimmer höher, dementiert Liebmann. Sicherheit seioberstes Gebot in den durch Schildern deutlichgekennzeichneten „Sonderzonen“.

HALFPIPES, vor allem aber Rails und Boxes, sindhäufig auch in sehr kleinen Gebieten anzutreffen. Soverfügt sogar die Weinebene über einen ansehnlichenFreestylepark. Und im „Kinder-Lachtal“, findet maneine smarte Ski-Area für Mini-Boarder. „Loserfenster“,Mönichkirchen, Kasberg und der Semmeringsind weitere östliche Fun-Tipps. AusgezeichneteCross Strecken findet man zum Beispiel im Damüls,Hochficht und auf der Zwieselalm. Seit einigenJahren drängen Freeskier in die Parks: New Schoolwurde zum dritten Element neben Piste und Powder.In den Parks sind Kicker (Schanzen), Boxes (Kästen)und Rails (Geländer) bevorzugt unfallfrei zu bewältigen.Ein wirklich cooler Snowpark muss so vieleObstacles (Hindernisse) aufweisen, dass für jedendas Passende dabei ist. So unterscheiden sich dieLines in der Größe der Kicker, der Länge der speziellvon Freeskiern gesuchten Rails und der Vielfalt in denFormen der Boxes. Entscheidend für die Qualität desParks ist nicht zuletzt Art und Häufigkeit der Wartung.Zum Glück beschränken sich immer wenigerRegionen darauf, den Park mit den ersten Schneefällenfertig zu stellen – und dann zu ignorieren. So wird der Fun- zum Frustpark.

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